Wenn der große Wagen hinter der Leinwand …

… am Himmel steht, dann , ja dann, bist du beim Open Air Filmfest Weiterstadt. Dann sitzt du auf einer Bierzeltbank, hast Bratwurstduft in der Nase und wechselst ständig die Sitzposition, um vorbei an denen vor dir, einen Blick auf die Filme werfen zu können. Die tun das natürlich auch – wegen denen vor ihnen, versteht sich – und deshalb bist du ständig in Bewegung.  Das macht durstig und der Geruch des Grillgutes lässt deinen Appetit niemals zur Ruhe kommen. So und nicht anders ist das im Braunshardter Wäldchen wenn Filmfest ist. Und das seit 36 Jahren.

Vom 09. bis zum 13. August 2012 erlebte das Filmfest seine diesjährige Auflage. Die letzten Jahre bin ich nur sporadisch dagewesen. Weil: Ich habe Rücken nach vier Stunden Sitz-Tanz von Backe zu Backe auf so einer Bank. Und das wird im Alter nicht besser. Doch diesmal konnte ich es nicht lassen und war am Samstag da. Und es hat sich gelohnt, wie ich finde.

Wieder wurden im Zelt und unter freiem Himmel unzählige Filme gezeigt, die mich lachen ließen, beeindruckten, verblüfften oder verstörten. Und wieder kamen sie von überall, diese Filme, sogar aus Büttelborn (mindestens zwei Beiträge). Ich will hier auf keinen Film eingehen (dazu reicht der gefühlte Platz nicht und ihr hättet ja selbst nach Weiterstadt fahren können), aber auf eine Kategorie, die mich irgendwie immer wieder überrascht: Super8.

Dieser Mix aus Grobkörnigkeit, Unschärfe und Holprigkeit beeindruckt mich jedes Mal wieder durch Kraft, Spontanität und – erstaunlicher Weise – durch Authentizität. Insgesamt  kommen die Werke, die mittels dieses „angestaubten Materials“ produziert wurden frisch und undogmatisch daher. Aber das begründet sich vielleicht auch darin, dass insbesondere junge Filmemacher/innen diese analogen Streifen drehen. In der Fotografie ist ja ebenfalls zu beobachten, dass immer mehr junge Leute sich Papas analoge Spiegelreflex-Kamera (für süddeutsche Sprachverweigerer: Papas Foto) und Polaroid schnappen oder eine Lomo, Holga und Diana besitzen, um Bilder –in diesem Fall eben Filme – zu machen, die sich allein durch eine „handgemacht erscheinende“ Bildsprache von der heute gewohnten Perfektion differenzieren.

So! Und wer mehr über das Filmfest wissen will, besucht am besten die Homepage. Denn ich habe fertig. Und sage nur noch: Bis nächstes Jahr in Weiterstadt, aber vorher wird ja noch am 22. August das „Best-of“ in der Central-Station gezeigt, wo ich irgendwo auf einem Stuhl einen Sitz-Tanz aufführe, um vorbei an denen vor mir, einen Blick auf die Filme werfen zu können.


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