Print ist tot ist quatsch

Gerade bereite ich die zweite Auflage der Imagebroschüre des badischen Weingutes „Weingut Schloss Ortenberg“ vor: Hardcover, gebunden, DIN A5 und ganz schön viele Seiten. Ein guter Zeitpunkt für mich, einmal öffentlich eine Lanze für Print-Objekte in der heutigen Marketing-Kommunikation zu brechen.

Totgeglaubte leben länger, sagt man ja. Und tatsächlich lässt sich auch das echte Leben nicht so ganz von seiner digitalen Entsprechung verdrängen. Gerade auf die  sogenannten „Digital Natives“ üben analoge Technologien eine große Faszination aus. Die gute alte Vinyl-Schallplatte boomt schon lange wieder und die analoge Fotografie begeistert immer noch weltweit. Zugegeben, Musik wird heute in der Regel eher „gestreamt“ und fotografiert wird digital. Aber dort wo – gerade auch junge und junggebliebene – Menschen das Besondere suchen, hat das Analoge seinen festen Platz. Und genau darin finden sich auch der strategische Gründe für den Einsatz von Printmedien in der Marketing-Kommunikation.

 

Jedes Unternehmen braucht eine Internetpräsenz. Jedes.

Das ist heute eigentlich nicht mein Thema, aber ich will von vorneherein klarstellen, dass ich die Uhr nicht zurückdrehen will. Ich begrüße es sogar, dass heute nicht mehr zigtausende schlecht gemachter Broschüren ungelesen in der Gegend herumfliegen. Ob die jemals so werbewirksam waren, wie die Agenturen ihren Kunden versicherten, das habe ich immer bezweifelt. Und selbst die digitale Form der Broschüren – das PDF – sollte man heute kritisch betrachten, weil es einfach auf Smartphones nicht mehr konsumierbar ist.

Wie dem auch sei: Die Suche nach Informationen findet heute im Internet statt. Und wer dort nicht gefunden wird, der hat Pech gehabt. Internetpräsenz bedeutet übrigens nicht automatisch eine Website mit abendfüllendem Content zu betreiben, oft reicht schon ein gut gemachter Onepager und/oder ein Facebook- oder Instagram-Account. Mir ist schon klar, dass sich bereits jetzt einige Unternehmer überfordert fühlen und dann komme ich auch noch mit Print-Medien, von denen bräsige Internet-Fuzzis ja so dringend abraten, weil tot. Aber jetzt zum Thema.

 

Eigentlich bleibt alles beim Alten

Die Werbung hat zu jeder Zeit versucht Aufmerksamkeit zu erzeugen, indem sie die eingetretenen Pfade verlassen und ihre Botschaften abseits vom Mainstream inszeniert hat. Der Mix aus Inhalt und Medium machte und macht dabei die Musik. Natürlich spielten immer auch neueste Technologien eine entscheidende Rolle in den werblichen Konzeptionen. Wer erinnert sich nicht an die unsäglichen CD-ROMs, die am Anfang des digitalen Zeitalters den werbenden Unternehmen Innovationscharakter bescheinigen sollte. „The medium is the message“, so sagten die Werber ihren bei Marshall McLuhan geklauten Spruch auf und wollten damit zum Ausdruck bringen, dass der Informationsträger mindestens so wichtig sei wie die Botschaft selbst.

Und doch hatten sie damit Recht, die Werber. Nur gilt der Satz eben nicht nur für den neuesten „geilen Scheiß“, wie man heute sagen würde. Er gilt immer dann, wenn man erfolgreich ein Medium einsetzt, um die Kunden dort zu überzeugen und zu berühren, wo man sie trifft – ob aus Pixeln auf dem Monitor oder durch Farbe auf Papier.

 

Ein persönliches Geschenk

 Gedruckt. Gefalzt. Gebunden. Ein Print-Objekt kann man in die Hand nehmen, daran schnüffeln, es lesen, einfach nur ansehen oder gar alles zusammen. Gut aufgemacht wird es in einer Zeit, in der tausende schlecht gemachter Websites tausende schlecht gemachter Broschüre ersetzt haben, zu mehr als Werbung. Es wird zum persönlichen Geschenk, das Unternehmens- und Markenwerte überzeugend transportieren kann.

Vielleicht habt ihr es ja schon selbst gesehen, wie eine simple, aber gute Ansichtskarte die Augen der Betrachter zum Leuchten bringt. Ein witziger Flyer Mundwinkel von der Schwerkraft befreit. Oder ein kleines Büchlein Erstaunen verursacht. Aber das Objekt muss zur Kommunikations-Strategie passen und ansprechend produziert sein. Und vor allem muss die Idee stimmen. Und dazu muss man schon ganz schön geradlinig querdenken.

Als ich die Imagebroschüre auf dem bereits erwähnten Weingut in Baden präsentierte, hörte ich den Satz: „Ich denke, Print macht man nicht mehr.“ Und ich antwortete: „Genau.“ Jetzt gehen wir in die zweite Auflage, weil das kleine Buch als wertvolles Akquisitionstool im B-to-B Segment ist (hier Handel und Gastronomie). So etwas hat nämlich nicht jeder.

„Materialität“ steht hochwertigen Marken und Unternehmen aus beispielsweise Kulinarik oder Design eben gut zu Gesicht. Ergänzend zur Webpräsenz kann sie den Unterschied machen. Nur muss sie durch Form und Aufmachung dem Qualitätsanspruch der Absender entsprechen. Eine labbrige DIN A4 Broschüre, wohlmöglich noch mit Ring-Ösen ausgestattet, leistet das aber nicht.

Die erste Weihnachts-Aussendung der von mir mitbegründeten Frankfurter Agentur Wolkenkratzer war ein dreifarbiger Kartoffeldruck auf Aquarellkarton – handgedruckt von mir, Auflage weit über einhundert Exemplare. Kartoffeldruck galt unter Kommunikations-Designern als Synonym für schlechte gemachte Print-Werbung, aber in diesem Kontext lieferte es ganz prima Resultate.

Doch wie gesagt Leute, setzt auf digitale Kommunikation, aber schließt andere Wege nicht aus. Überreicht euren Kunden ein Geschenk. Zum Beispiel ein Buch, das von euch und eurem Unternehmen handelt. Und ihr werdet sehen: Print ist tot ist quatsch.

 

Hier einige weitere Beispiele

All diese aufgeführten Arbeiten habe ich in Zusammenarbeit mit verschiedenen Teams erarbeitet, aber in jedem Fall die Markenstrategien entwickelt und dann hübsch quergedacht, um echte Wirkungstreffer zu erzielen.

Beginnen wir mit der oben erwähnten Imagebroschüre für das Weingut Schloss Ortenberg.

Die badische Büromöbel-Manufaktur Brunner hat über die Jahre etliche Design-Awards eingeheimst, warum also nicht auch für die Imagebroschüre „Being Brunner“. Der über die gesamte Broschüre laufende Text ist in Form eines Gedichtes geschrieben, aber jede Seite ist einzeln konsumierbar. Ausgezeichnet mit dem German Design Award Special Mention.

Red Dot Award und German Design Award Special Mention – die beiden Auszeichnungen gab es für das Kochbuch „Iss so“, das in Wirklichkeit aber die Imagebroschüre einer Werbeagentur ist.

Zur Mail-Akquisition im Bereich Automotive habe ich ein themenbezogenes Kinderbuch entworfen und das gar nicht mal so unerfolgreich. Online lesen

Es müssen aber nicht immer gleich Bücher sein. Zum Schluss präsentiere ich deshalb noch die gute alte Ansichtskarte, die in der Regel wie geschnitten Brot über die Ladentheke geht. Hier zum Schluss eine kleine Auswahl.

(Beim Schreiben u.a. gehört: „You Get what You Give“ aus den neunzigern von den New Radicals)

 

 

 

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The Art of Engineering

Kreativität, Wissen, Präzision, Kundennähe – das sind Attribute, die sich so manches Unternehmen gerne auf die Flagge schreiben würde. Und einige könnten es sogar mit gutem Gewissen tun. Aber dennoch bleibt in der B-to-B-Kommunikation der Stolz auf das eigene Tun zumeist im Verborgenen. Großartige Leistungen werden auf Fakten reduziert und deshalb werden hervorragende Investitionsgüter in der Regel furztrocken beworben. Das es stattdessen auch mit trockenem Humor und tollen Bildern geht, zeigt die Kampagne des Schweizer Pumpenherstellers Emile Egger.
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Nichts geht über – Salat mit – Bärenmarke

Wer glaubt, Content-Marketing sei neu, sehe sich einmal dieses Fundstück aus der Rezeptsammlung meiner Mutter an. Das etwa schulheftgroße Broschürchen , müsste aus den frühen Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts stammen, bringt über die Story perfekt das Produkt ins Spiel.

Nur ist es etwas ehrlicher (ja, so kann man Werbung auch betrachten) als viele – nicht alle – moderne Content-Strategien, denn es verheimlicht weder den Absender noch die Zielsetzung.

Doch bevor jetzt rudelweise digitale Na(t)ive über mich herfallen –mal ganz im Ernst: Habt Spaß damit.

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