10.09.2012

Leise Töne klingen länger

Einige Gedanken zu dem aktuellen Katalog mit fotografischen Werken des tschechischen Künstlers Pavel Odvody.

Während Pavel  und ich bei einem Gläschen Rotwein im Garten des Darmstädter Schlosses über John Cage und Merce Cunnigham reden, über-reicht er mir – natürlich wie immer ohne große Geste ­– seinen neuen Katalog. Einige Male haben wir in den letzten zwölf Monaten über das Projekt „Katalog“ diskutiert. Jetzt habe ich es in der Hand. Ich blättere nur flüchtig durch, denn das Licht ist in der Dämmerung viel zu schlecht, um es zu würdigen. Ich bedanke mich artig und lasse es in meiner Tasche verschwinden. Und wir wenden uns anderen Themen irgendwo zwischen Marcel Proust und Jack Kerouac oder Barack Obama und Angela Merkel zu.

Zuhause angekommen, nehme ich mir das Buch dann endlich genauer vor. Eigentlich ist es gar kein Buch, sondern ein Umschlag in den einzelne, gefalzte Blätter eingelegt sind. So wird schon das Erkunden des Inhalts zu einem viel langsameren und damit bewussteren Prozess als das schnelle, erste Durchblättern eines gebunden Buches. Aber genau das fordern auch Pavels Fotografien – eine langsame und sehr bewusste Rezeption.

Denn der Betrachter wird vom ersten Bild an in eine Welt gerissen, die sich zwar des Gegenständlichen bedient, aber ihre Grenzen konsequent hinter sich lässt. Hier geht es nicht um Abbilder des Gesehenen, sondern um Abbilder des Gefühlten. Hier geht es um die poetische Visualisierung von Emotionen. Es geht um die Suche nach der Seele von Menschen und Dingen. Einer Seele, die einsam, gestreichelt oder gepeitscht immer in Bewegung ist. Still steht nur der Tod.

So wie John Cage davon ausgeht, dass es im Leben keine Stille gibt, geht Pavel Odvody davon aus, dass Bewegungslosigkeit nicht existiert. Alles bewegt sich immer. Aber nie so, dass es zu einer Belichtungszeit passt, die ein Abbild des Gegen-ständlichen eigentlich fordert. Und genau das dokumentieren seine schwarzweißen Fotografien, die er nach dem Prinzip des sehr präzise kalkulierten Zufalls erschafft. Das heißt, er gewährt dem Zufall einen bestimmten, sinnhaften Raum jenseits jeglicher Beliebigkeit. Um gezielt Einzigartiges entstehen zu lassen. Einzigartig und mysteriös wie das Leben selbst. In leisen Tönen, die kraftvoll nachhallen.

Mehr Bilder von Pavel findet ihr hier. Bestellen könnt ihr den Katalog telefonisch: 06151 714672 oder per E-Mail: odvody@selectedviews.de und redaktion@selectedviews.de

Pavel Odvody, Fotografien

Text von Celina Lundsford
64 Seiten, 53 Abbildungen in Farbe, 19,5 x 23,3 cm,
Einzelblätter in Umschlag eingelegt, einzeln verpackt.
Deutsch/Englisch ISBN – 978-3-9815462-1-7
Erschienen im August 2012 bei selected views in Bensheim,
Auflage: 500, nummeriert und signiert Verkaufspreis 15,– € incl. 7 % MwSt.

Vorzugsausgabe: 30 Exemplare mit einem Print aus der Serie Seismogramme,
Format 13×18 cm, signiert und nummeriert. Verkaufspreis 180,– € incl. 7 % MwSt.

 

Eine Reaktion zu “Leise Töne klingen länger”

  1. […] Odvody aus der Produktion des Verlages »selected views« und eine Auswahl der Originale. Über das Buch habe ich bereits […]


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