Freitagnachmittag im Odenwald

Oohohoh du schöner Ohohodenwald, über deine Höhen pfeift der Wind so kalt … ja, ich weiß, das es eigentlich im Westerwald pfeift … aber da pfeife ich drauf. Und als Betreiber der ständigen Vertretung Niedersachsens in Südhessen (ich bin seit September 1985 im Amt) genieße ich eh diplomatische Immunität. Da fällt mir ein, weiß überhaupt noch einer, kann auch eine sein, was eine ständige Vertretung ist? Wenn nicht, ist euch ein recht mittelprächtiger Witz entgangen. So, und jetzt aber ab in den vom Sturm gebeutelten Odenwald.

Da war so mancher Baum noch ganz geknickt, am Freitag nach dem Sturm. Und musste überstiegen werden, weil er sich uns in den Weg legte. Das konnte man aber nicht fotografieren, denn das ergab keine Bilder, sondern nur strukturelles Gewusel. Außerdem wollte ich ja nicht den Eindruck erwecken, dass der Odenwald kaputt sei. Denn vielleicht sieht das ja auch jemand in Norddeutschland, der hier Urlaub machen wollte, und dann aber davon absehen würde. Was man ja auch verstehen könnte, weil im kaputten Odenwald will ja niemand … ja.

Es tut übrigens gut, mal ganz allein durcheinander zu quatschen. Das ist erfrischend ziellos – so wie die Wanderung am Freitagnachmittag. Wir sind nämlich bereits vor dem eigentlich Losgehen falsch abgebogen, was zuerst lustig war, dann eher zu weit. Angekommen sind wir aber trotzdem wieder in Ober-Ostern, wo wir wahrscheinlich auch losgegangen waren. Ich habe jedenfalls das Auto wiedererkannt.

Mit leerer Wasserflasche und voller Durst standen wir dann vor einem viel gepriesenen Ausflugslokal, das aber so local war, dass wir den Eindruck hatten, dass man dort nichts gegen Fremde hat – solange sie von dort sind. Ich will ja nichts unterstellen, aber wir sahen uns etwa acht zombiefizierten Augenpaaren gegenüber, die … naja … am Sonntagabend lief ja der Film „Crazies“ im Fernsehen, und die haben da auch mitgespielt.

Also haben wir unseren Durst einfach runtergeschluckt und sind flugs an die Bergstraße gefahren, wo alles ein gutes Ende nahm. Mit ein, nein zwei, Schoppen Q.b.A. Wolfsmagen am Kirchberghäuschen bei sturmzerfetztem Himmel über Bensheim. Und jetzt bleibt mir nur noch eins. Die Anlehnung an dummdeutsch-textende Reklamebrabbler: So müssen Freitage. Jedenfalls zum Teil.


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