Der falsche Hase von Hajen

Das Weserbergland ist voller Geschichten, die von einem rauen, handfesten Humor geprägt sind. Diese ist eine davon.

IMG_6369_03_k

Es war zu einer Zeit als die Schiffe noch keine Motoren hatten und auch noch lange keine haben sollten. Da wurden sie von starken Männern die Weser stromaufwärts gezogen. Und weil diese Männer vor die Lastkähne gespannt waren wie die Ochsen vor einen Karren nannte man sie Hüossen oder Bockdrivers, denn die Boote hießen Bockschiffe. Bis zu dreißig Männer zogen gleichzeitig an so einem Boot und es war wahrlich ein mühseliges Geschäft. Und wenn dann die langen anstrengenden Arbeitstage endeten, kehrten die müden und hungrigen Hüossen in Herbergen entlang der Weser ein, um auszuruhen und um zu essen.

Eins dieser Wirtshäuser lag in Hajen, einem kleinen Ort zwischen Bodenwerder und Hameln. Hier machten die schwer arbeitenden Männer regelmäßig Station und der Wirt machte einen guten Schnitt dabei.

Als eines Abends einige Bockdrivers den Gasthof betraten, um hier wieder einmal zu übernachten, stieg ihnen sofort ein leckerer Duft in die Nase. Die Wirtin hatte einen Hasenbraten zubereitet. Aber den wollte der Wirt aber nicht herausrücken. Also warteten sie bis Ruhe eingekehrt war und sich die Wirtsleute zurückgezogen hatten. Dann schlich einer in die Speisekammer, stibitze den Hasen und die Männer ließen sich den Braten gemeinsam gut schmecken.

Der Wirt entdeckte am nächsten Morgen, dass der Braten verschwunden war. Und er nahm sich vor, es diesen Hüossen heimzuzahlen, die schon längst ein gutes Stück weseraufwärts gezogen waren.

Also fackelte er nicht lange, sondern schlachtete und schmorte einen alten Kater an dem Tag, als die Schiffer wieder bei ihm einkehrten. Denen stieg sofort der einladende Bratenduft in die Nase. Und nach kurzer Beratung war klar, dass auch dieser Braten ungefragt verzehrt werden sollte. Und so geschah es auch.

Diesmal war der Wirt am nächsten allerdings sehr früh auf den Beinen. Er wollte seine Gäste auf keinen Fall verpassen. Nach einem kurzen Blick in die Speisekammer, fragte er: „Na, wie hat euch der Hasenbraten geschmeckt“

„Hasenbraten? Wir haben keinen Hasenbraten gegessen“, antworteten die mit aufgesetzten Unschuldsmienen.

„Da habt ihr wohl recht. Was ihr aus der Speisekammer geklaut habt, war kein Hase, sondern ein alter Kater.“

Und als er ihnen das Fell zeigen wollte, wurde den Hüossen speiübel und sie eilten würgend davon. Nie wieder kehrten sie in Hajen ein, sondern zogen immer an dieser Station vorbei – aber nicht laut ohne zu miauen, wenn sie das Wirtshaus passierten. Seitdem heißt der gesamte Ort Katernhajen oder Katzenhajen.

Ich weiß nicht, ob diese Geschichte wahr ist, aber ausgedacht habe ich sie mir nicht. Und der Bäcker in Hajen nennt sich auch heute noch Katzenbäcker.


Kommentar schreiben

Kommentar