„Mainblick“ von René Spalek

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Unter dem Titel „Die ganz und gar andere Bildbeschreibung“ beleuchten Sabine Pallaske und ich Aspekte des Bildschaffens, die beim Betrachten des Bildes nicht sichtbar und für die Qualität des Bildes nicht relevant sind, aber entscheidend für die künstlerische und kommerzielle Verwendung – und damit auch für den Erfolg.

Das Bild „Mainblick“ des Offenbacher Fotografen René Spalek ist Teil der Serie „Stadt, Land … Haus“, in deren Mittelpunkt Architektur und urbane Räume der Stadt Offenbach stehen. Die vorliegende Fotografie zeigt den Blick des Fotografen durch die rot gestrichene Einfahrt einer modernen Architektur in einen bepflanzten Raum. Hinweise darauf, ob es sich um ein Bürogebäude oder um ein Wohnhaus mit dem dahinter liegenden Garten handelt, gibt es nicht.

Die Spannung des Bildes entsteht dadurch, dass es einlädt zu erkunden, was hinter dem Gebäude liegt, aber gleichzeitig den Zutritt verweigert. Es offenbart zwar die Kirschen in Nachbars Garten, aber die bleiben unerreichbar. Denn was hinter dem Gebäude liegt, scheint nicht für die Augen des Betrachters gedacht zu sein. Die irritierende Unschärfe in der gestalterischen Mitte des Bildes macht zwar neugierig, weist aber gleichzeitig zurück. Und der Baum im Zentrum ragt wie ein Warnhinweis in die Höhe. All das sagt: Kein Zutritt.

Tatsächlich präsentiert die Fotografie aber das Mainufer der Hafeninsel in Offenbach. Der Main ist links unten neben dem Baum zu erkennen. Das Bild wirft also einen Blick vom öffentlichen Raum in einen weiteren öffentlichen Raum, aber eben über ein bebautes Privatgrundstück hinweg. Und so erzeugt Spalek das Gefühl, das Ufer sei für den Betrachter verloren, was durchaus als augenzwinkernde Kritik an der Bebauung und damit auch der teilweisen Privatisierung des Uferbereiches verstanden werden kann.

Aber das alles, weiß ein Nicht-Offenbacher natürlich nicht und so kann die Verwertung des Bildes Fragen aufwerfen, die im weitesten Sinne mit der so genannten Panoramafreiheit zusammenhängen. Entscheidend ist zuallererst, von wo aus fotografiert wurde. Wurde das Bild vom Gehweg aus aufgenommen oder stand der Fotograf bereits in der Einfahrt – also auf Privatgelände? Im zweiten Fall bräuchte der Fotograf eine Einverständnis-Erklärung (Property Release) des Eigentümers, der hier das Hausrecht hat.

Neben dem Hausrecht gilt es bei solchen Fotografien darauf zu achten, dass die Privatsphäre nicht verletzt sein darf. In diesen Fällen geht der Persönlichkeitsschutz (Recht am eigenen Bildnis) vor, auch wenn sich der Fotograf während der Aufnahme auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen befindet. So ist zum Beispiel nicht erlaubt mit einer langen Brennweite durch ein Fenster, eine Hecke, einen Zaun – kurz jedes “Hindernis“, das einen privaten Raum begrenzt – in die Privatsphäre einzudringen. Hier endet die journalistische Mission des „Street-Photographers“ und der Paparazzi bekommt glücklicherweise ein Problem.

Doch neben dem Wo und dem Wie gibt es auch noch das Was – also die Dinge, die abgebildet sind. In diesem Fall ist das der Baum in der Mitte. Der kann als Sache fotografiert werden, solange keine anderen rechtlichen Schranken verletzt werden. Stände eine Person vor oder neben dem Baum, sähe es wieder ganz anders aus.

Tiere gelten übrigens auch als Sachen – den Hund auf der Straße kann man abbilden und das Bild anschließend veröffentlichen, ohne das „Herrchen“ – also den Eigentümer – fragen zu müssen.

Zusammengefasst ist im vorliegenden Fall also nur eine Frage relevant – und zwar die nach dem Standort des Fotografen bei der Aufnahme.

Alle Rechte am Bild liegen bei René Spalek, Offenbach. Mehr über Urheberrecht und Nutzungsrechte, sowie über weitere juristische und kaufmännische Aspekte rund um Fotografie, Illustration und Film findet ihr auf bildgerecht.de

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Das Hang-Hinkel

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Betrachtung einer zoologischen wie kulinarischen Rarität

 

Überall auf der Welt haben sich Tiere und Pflanzen extremen Umweltbedingungen angepasst und atemberaubende Strategien entwickelt, um zu überleben. In der Wüste, in der Arktis oder im Dschungel trotzen sie den Herausforderungen ihrer Umgebung. Sie heißen Skorpion oder Pfeilgift-Frosch und an der Bergstraße trifft man – wenn auch selten – das Hang-Hinkel.

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„Michael Wollny“ von Jörg Steinmetz

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Unter dem Titel „Die ganz und gar andere Bildbeschreibung“ beleuchten Sabine Pallaske und ich Aspekte des Bildschaffens, die beim Betrachten des Bildes nicht sichtbar und für die Qualität des Bildes nicht relevant sind, aber entscheidend für die künstlerische und kommerzielle Verwendung – und damit auch für den Erfolg.

Inmitten des angedeuteten Dreiecks eines Konzertflügels die Mähne des Pianisten – ein sparsames Bild und deshalb ein so kraftvolles.

Die dynamische Aufnahme des Frankfurter Fotografen Jörg Steinmetz zeigt den bekannten Jazzpianisten Michael Wollny. Dabei versucht das Portrait nicht zu erklären. Es lässt teilhaben. An einem ebenso intimen wie auch öffentlichen Moment.

Langes Haar verbirgt das Gesicht des in sein Spiel vertieften Musikers. Wollny ist während seiner Darbietung ganz bei sich und gibt sich gleichzeitig dem Publikum Preis. Erlebbar macht Steinmetz diesen Moment, weil er sich nicht darum schert, exakt zu zeigen wie Wollny aussieht. Es geht ihm darum, fühlbar zu machen, wer und wie der Künstler ist. Es geht um dessen Hingabe, wenn nicht um Hingabe überhaupt.

Nun kann die Hingabe keine Persönlichkeitsrechte an dem Bildnis geltend machen, Michael Wollny kann es schon – auch wenn die Haare sein Gesicht verdecken. Der Begriff Bildnis umfasst nämlich nicht nur ein Portrait mit sichtbarem Antlitz – es geht um Erkennbarkeit an und für sich.

Erkennbarkeit liegt bereits dann vor, wenn eine hinreichend große Anzahl von Menschen die abgebildete Person an typischen Körperhaltungen, Bewegungen, Tattoos, Frisuren oder ähnlichen Merkmalen erkennt. Man denke an den Moonwalk von Michael Jackson oder eben an die Tolle von Michael Wollny.

Das Recht am eigenen Bild kommt aber auch dann zum Tragen, wenn die abgebildeten Personen erst im Kontext erkannt werden. Der angedeutete Flügel und Wollnys Frisur sind beispielweise für Jazz-Fans klar dem Pianisten zuordenbar.

Durch eine Bildunterschrift wie „Michael Wollny spielt in der Alten Oper Frankfurt“ wird der Künstler für jedermann erkennbar.

In jedem der geschilderten Fälle ist die Genehmigung des Künstlers erforderlich. Selbst Publikationen wie Schulbücher oder Lexika werden als kommerzielle, nichtredaktionelle Veröffentlichung betrachtet.

Zulässig ist Veröffentlichung ohne Model-Release nur in ganz konkreten, redaktionellen Zusammenhängen wie innerhalb der Ankündigung einer Konzertreihe des Künstlers oder der Berichterstattung über aktuelle Auftritte.

Alle Rechte am Bild liegen bei Jörg Steinmetz, Frankfurt. Mehr über Urheberrecht und Nutzungsrechte, sowie über weitere juristische und kaufmännische Aspekte rund um Fotografie, Illustration und Film findet ihr auf bildegerecht.de

 

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