Unser täglich Butterbrot

Stulle, Bemme oder Butterbrot – das sind verschiedene Worte für ein einfaches, aber grundehrliches Gericht, das in den unterschiedlichsten Variationen zu finden ist. Mit Wurst oder Schinken, Käse oder Gemüse, Marmelade oder Honig wird dieser Küchenklassiker zum Frühstück, in der Mittagspause und als Abendbrot verzehrt oder einfach mal so zwischendurch. Ich habe mal einige Grundformen gescannt und über verbindende Gesetzmäßigkeiten dieses kulinarischen Baukastens nachgedacht.

Eine Scheibe vom Roggenkanten

Eine Scheibe vom Roggenkanten

Die Wahl des richtigen Brotes ist entscheidend.
Baguette, Fladenbrot oder Ciabatta können noch so viel Butter drauf kriegen – sie werden nicht zum Butterbrot. Denn die Basis jeder guten Stulle ist eine Scheibe Graubrot. Das ist ein Mischbrot, das auf Sauerteig-Basis hergestellt wird (in Bayern heißt das übrigens Schwarzbrot, aber das hat wohl politische Gründe). Als einzig anerkanntes Graubrot-Surrogat gilt Vollkornbrot (siehe Abbildungen). Und natürlich gibt es regionale Unterschiede bei der Wahl des Mischbrotes. Die Abbildung zeigt eine Scheibe der Brotsorte „Roggenkanten“ der Darmstädter Bäckerei Bormuth, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch die perfekte Grundlage für ein ordentliches Butterbrot ist. In jedem Fall bevorzuge ich persönlich diese Sorte.

Die einfachste Form des Butterbrotes

Die einfachste Form des Butterbrotes (mit Schnittlauch und Salz)

Auf das Graubrot wird Gute Butter geschmiert.
Das geeignete Verb, das die Zubereitung einer Stulle beschreibt, ist deshalb auch „schmieren“. Ersatzweise kann man Butterbrote auch „machen“. Und auch mit Margarine oder Mischfett, aber niemals mit Mayonnaise. Niemals.

Vollkornbutterbrot mit Schnittkäse

Ein Vollkornbutterbrot mit Schnittkäse

Stulle mit Grafschafter Goldsaft (Zuckerrübensirup)

Die Bemme mit Grafschafter Goldsaft (Zuckerrübensirup)

Marmeladenstulle in der Version Erdbeer-Rhabarber

Die klassische Marmeladenstulle in der Version Erdbeer-Rhabarber

Dann wird das Butterbrot belegt.
Ein Wurstbrot wird mit Wurst belegt, ein Marmeladenbrot mit Marmelade und mit sonst nix. Die Formel lautet ganz einfach: Brot, Butter, Belag. Fertig.

Salat hat unter der Wurst nichts verloren (der Kabarettist Jochen Malmsheimer weist hier auf die geschmackliche Nähe zu einem Komposthaufen hin). Und auch ein Petersilienbüschel als aufhübschendes Toping sollte als Appetit anregende Beilage einer bekannten Hundefuttersorte vorbehalten bleiben.

Butterbrote haben keine Garnitur. Eine Ausnahme bildet lediglich das Schinkenbrot, das exemplarisch von einer sauren Gurke begleitet wird. Zusätzliche Würzmittel wie Salz, Pfeffer, Senf oder Zwiebelringe sind dagegen durchaus zulässig.

Das Tomatenbrot, wie es sein soll

Das Tomatenbrot, wie es sein soll

Schinkenbrot mit Garnitur

Das Schinkenbrot mit Garnitur

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Das ist kein Butterbrot sondern ein Honig-Toast

Zusammenfassung:
Diese ganz bewusste Reduktion auf das Wesentliche führt dazu, dass viele Butterbrote nicht besonders lecker aussehen, es aber trotzdem sind. Eben drum.

Wer sich eingehender mit der Materie befassen möchte, findet zusätzliche Informationen auf der Website www.butterbrot.de.

Abschließend sei auch noch auf den Sonderfall „Nutella-Stulle“ hingewiesen. Nichts außer Fußball-Weltmeister oder Papst zu werden, vereint die Deutschen mehr als die Liebe zur morgendlichen Nutella-Stulle. Aber auch nichts spaltet diese Nation in so viele unterschiedliche Lager wie Lagerung der Nuß-Nougat-Schmiere und die Zubereitung der Stullen. Krisenauslösende Faktoren sind hier u. a. die Wahl der Brotsorte oder ob Butter zwischen Brot und Aufstrich gehört. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Technische Hinweise:
Alle Bilder entstanden auf dem Flachbett-Scanner Epson Perfection 4870 Photo. Die verwendet Software war Silverfast 8 von LaserSoftImaging. Alle Stullen sind im gleichen Maßstab abgebildet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Reaktion zu “Unser täglich Butterbrot”

  1. Christoph

    Jetzt hab ich Hunger…


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