Ein Haus von Frank Lloyd Wright

Der Westschweizer Autor und Comiczeichner Cosey ist seit langen Jahren für seine einfühlsamen Bild-Erzählungen bekannt. Herausragend dabei ist sicher der grafische Roman „Auf der Suche nach Peter Pan“, der im Wallis der dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts spielt. Doch hier soll eine Sammlung von vier Kurzgeschichten im Fokus stehen und dabei die titelgebende Geschichte „Ein Haus von Frank Lloyd Wright“.

Ein junger Literaturstudent will einer berühmten Autorin auf die Spur kommen, die in völliger Zurückgezogenheit lebt. Er findet sie in einem Haus von Frank Lloyd Wright, wo sie ihrem Ruhm entfliehen will. Nach anfänglichen Missverständnissen kommen sich die beiden langsam näher. Mehr dazu soll an dieser Stelle nicht verraten werden, wohl aber zu dem dritten Hauptdarsteller – dem Haus.

Auf den ersten Blick handelt es sich um das Haus John C. Pew am Ufer des Lake Mendota im US-Bundesstaat Wisconsin, das Wright 1938 entworfen hat. Folgt man dann der Handlung und betritt das Gebäude, eröffnet sich dem Leser der wahre Kern der Geschichte. Denn diese Erzählung ist eine einzige Hommage an das Werk des Frank Lloyd Wright, durch die sich die Protagonisten bewegen. Tee trinkt man aus einem Service, das 1913 für das Imperial Hotel in Tokio entstand, die Bibliothek ist dem Goetsch-Winckler-House nachempfunden, an einer Wand hängt eine Skizze des Guggenheim Museums, die Innentreppe ist dem Johnson-House entnommen und selbstverständlich zitiert Cosey auch Fallingwater.

Diese Aufzählung liesse sich fortsetzen, doch das eigentlich Interessante ist, wie sich der Autor das Werk des Architekten aneignet, zerlegt und dann völlig neu und stimmig zusammensetzt. Technisch gesehen mag das zwar unmöglich sein, doch die Ideen hinter den Entwürfen werden glaubhaft und gefühlvoll kombiniert. Und das gelingt weil Autor und Architekt im Wesen verwandt sind und weil sich ein spiritueller Aspekt wie ein roter Faden durch ihr ganzes Schaffen zieht: die Menschlichkeit.

Auch Alfred Hitchcock hatte sich am Werk Wrights bedient und für seinen Film „North by Nothwest“ das berühmte „Fallingwater“ nachempfunden. Doch ging es dem Filmemacher im Gegensatz zu Cosey lediglich um eine spektakuläre Kulisse und nicht um eine gefühlvolle Geschichte und humane Architektur.

Wright_Titelbild

Eine Leseprobe gibt es online unter: http://bit.ly/HL8c2m

Die deutsche Ausgabe der grafischen Anthologie „Ein Haus von Frank Lloyd Wright“ von Cosey wurde 2012 von Salleck Publications in Wattenheim, Deutschland verlegt.

Das Copyright der Abbildungen liegt beim Verlag Salleck Publications und dem Autoren Bernard Cosandey (Cosey)

 

 

 

 


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